Kolumne

Faschistischer Terror

Vor zehn Jahren waren wir bereits entsetzt, wenn antisemitische Sprüche fielen. Jetzt fielen tödliche Schüsse. Der Täter wollte am Jom-Kippur-Tag in eine Synagoge eindringen und jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger ermorden. Dass derartige Hassverbrechen im Land der Planer und Täter des Holocaust noch immer möglich sind, erschüttert mich und viele andere. Aber ich denke auch an die Selbstenttarnung des NSU. Schockartig kam die Einsicht, dass die rechtsradikale Szene von der Gewaltbereitschaft zur rechtsterroristischen Untergrundtätigkeit übergegangen war. Die versprochene lückenlose Aufarbeitung fiel indessen bisher aus.
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Da war er wieder, der Feiertag, mit dem wenige etwas anzufangen wissen. Natürlich gibt es gute Gründe, den „Tag der Deutschen Einheit“ zu feiern. Doch mit dem 3. Oktober verbinden sich für die meisten Bürgerinnen und Bürger keine Erlebnisse, keine Bilder. Fast alle wissen, wo und wie sie den 9. November 1989 verbracht haben. Aber den 3. Oktober 1990? Im Kalender steht ein Gedenktag, den viele nachschlagen müssen. Selbst Horst Seehofer, unser Innen- und Heimat(!)-Minister, vergaß zunächst, Gelder für die Einheitsfeier in den Haushaltsplan einzustellen. Wolfgang Schäuble beschrieb neulich eine Grundstimmung im ersten Jahr nach der Einheit teils zutreffend und zugleich sein Denken entlarvend so: „Die Haltung in der Bundesrepublik war aber doch überwiegend die: Wir helfen den Ostdeutschen gern, aber in unserem eigenen Leben soll und wird sich nicht viel ändern.“1) 29 Jahre nach dem 3. Oktober 1990, dem „Tag der Deutschen Einheit“, gibt es für Schäuble „die Bundesrepublik“ und „die Ostdeutschen“!
weiterlesen "Sankt Walter und der 3. Oktober"
In sechs Wochen begehen wir den 30. Jahrestag des Mauerfalls. Selbstverständlich können die Ostdeutschen stolz sein: Viel wurde geleistet. Niemand leugnet das. Der Bericht zum Stand der Deutschen Einheit zeigt aber auch: Das meiste wurde nicht wegen, sondern trotz der Bundesregierungen der vergangenen drei Jahrzehnte erreicht. Der Lobhudelei des Ostbeauftragten der Bundesregierung Christian Hirte muss widersprochen werden, denn die Einheit kommt auf vielen Gebieten nur im Schneckentempo voran. Die ostdeutsche Wirtschaftskraft je Einwohner …
weiterlesen "Föderale Fairness statt Einheit im Schneckentempo"
Angela Merkel wird als gescheiterte Klimakanzlerin in die Geschichte eingehen. Das heute vorgestellte Klimapaket versagt beim Klimaschutz und wird die soziale Spaltung vertiefen. Es belastet kleine und mittlere Einkommen. Es schont Reiche und Konzerne. Es setzt auf nutzlose marktliberale Instrumente statt auf wirkungsvolle staatliche Ordnungspolitik. Es treibt die Gesellschaft auseinander und wird dem Klimawandel nicht im Ansatz gerecht.
weiterlesen "Klima darf das Land nicht spalten"
Wenn die Generaldebatte zum Haushalt stattfindet, dann klingt das erst einmal etwas trocken. Finanzen und Zahlen werden hin- und hergeschoben, was für viele erstmal dröge wirkt. Dabei zeigt der Haushaltsentwurf der Regierung ihre politischen Absichten und Prioritäten. Ganz unabhängig davon, was in großen Reden verkündet wird. Die Reden der Regierung in der Debatte diese Woche sollten von Aufbruch und Tatendrang geprägt sein. Leider spiegelt sich das im Haushaltsentwurf nicht wider. Deswegen habe ich anhand von 3 Beispielen in meiner Rede versucht klarzumachen, inwiefern der Haushalt den Stillstand der Regierung offenbart.
weiterlesen "Zwischen den Zeilen"
Die Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen waren für meine Partei ein Desaster. Ein politisches "Weiter so" darf es deshalb nicht geben. Wir können nicht zur Tagesordnung übergehen. Wir müssen in die Partei hören, die Erfahrungen aus den Wahlkämpfen einbeziehen. Dafür müssen unsere Landes- und Kommunalpolitiker bei uns Gehör finden, ihre Erfahrungen sollten wir aufgreifen. Mit Blick auf die kommende Bundestagswahl müssen wir Grundfragen der strategischen und inhaltlichen Ausrichtung diskutieren und teilweise neu beantworten. Nur so schaffen wir es gemeinsam zurück in die Erfolgsspur. Dass dies möglich ist, beweist nicht nur Bremen, wo wir jetzt erstmals in einem westdeutschen Bundesland mitregieren.
weiterlesen "Es ist fünf vor zwölf"
Am Sonntag ist Weltfriedenstag. Vor 80 Jahren überfiel Nazideutschland Polen, der 2. Weltkrieg begann. Dreißig Jahre nach den weltpolitischen Umwälzungen, die ab 1989 ihren Lauf nahmen, ist es aktuell und notwendig, gegen Krieg und Faschismus aufzustehen. Im Jemen, in Syrien, in der Ostukraine und anderswo herrscht Krieg. Im Weißen Haus sitzt ein Brandstifter, der internationale Verträge zu Makulatur macht. Der Afghanistankrieg mit deutscher Beteiligung geriet zu einem einzigen Fiasko. Deutsche Rüstungskonzerne verdienen sich mit blutigem Geld eine goldene Nase, toleriert von einer Bundesregierung, die – im Widerspruch zum Koalitionsvertrag - Waffenexporte selbst in Krisengebiete und an Kriegsparteien genehmigt. Unfassbar, aber wahr: Der Vorsitzende einer im Deutschen Bundestag vertretenen Partei bezeichnet den Hitlerfaschismus, die Zeit größter Verbrechen der Geschichte, als „Vogelschiss“. Völlig zurecht wurde in diesem Jahr der 75. Jahrestag des D-Day gefeiert, wurden jene gewürdigt, die als Angehörige alliierter Armeen in der Normandie landeten. Es beunruhigt mich jedoch in hohem Maße, wenn das verbunden ist mit Bestrebungen, Teile der Geschichte neu zu schreiben. Wie anders soll ich es nennen, wenn bei den offiziellen Feiern des westlichen Bündnisses der Eindruck erweckt wird, die Zerschlagung des Faschismus sei gänzlich ohne sowjetische Teilhabe geschehen?!
weiterlesen "Vor einem ereignisreichen Sonntag"
Auf Autobahnen jagt eine Baustelle die nächste. 538 Autobahnbaustellen gibt es derzeit bundesweit. Ich habe die Bundesregierung gefragt, wie viele Autobahnen und Bundesstraßen in Deutschland sanierungsbedürftig sind. Die Antwort fällt verheerend aus: Ein Drittel des Bundesstraßennetzes und jeder sechste Autobahnkilometer sind substanziell marode. Auf 11813 Kilometer Bundesstraße wurden tieferliegende Schäden festgestellt. Auf 5481 Kilometer ist die Fahrsicherheit beeinträchtigt. Das ist die Bilanz von 10 Jahren CSU - Verkehrsministern.
weiterlesen "Geht es so weiter, geht bald gar nichts mehr"
Zuerst am 16. August 2019 in der Ostsee-Zeitung als Gastbeitrag erschienen Ich fordere, dass alle Abgeordneten in die gesetzliche Rente einzahlen. Es ist nicht akzeptabel, dass immer mehr Menschen von Altersarmut bedroht und wir Politiker durch ein Extra-System üppig versorgt sind – ohne eigene Beiträge zu leisten. Es wäre ein Zeichen für gesellschaftlichen Zusammenhalt, sollte der Bundestag eine solche Rentenbeitragspflicht für Abgeordnete beschließen. Die Rente ist nicht sicher, zumindest gefühlt. Immer mehr Menschen haben Angst davor, dass es im Alter nicht reicht. Ziel muss es sein, die gesetzliche Rentenversicherung wieder in die Lage zu versetzen, ihre Aufgaben zu erfüllen: Die Rente muss den erarbeiteten Lebensstandard der Menschen im Alter sichern und sie muss zuverlässig vor Armut schützen. Dafür braucht es einen Systemwechsel. Wir wollen, dass nicht nur Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, sondern alle Menschen mit Erwerbseinkommen. Als einen Schritt hin zu einer Rentenkasse für alle, sollten Bundestagsabgeordnete vorangehen und Beiträge leisten.
weiterlesen "Eine für alle – auch Abgeordnete müssen in die Rente einzahlen"
Verträge haben Schwächen, denn sie sind das Ergebnis eines Kompromisses. Aber sie bieten Klarheit, Verlässlichlichkeit und einen Handlungsrahmen für die Vertragspartner. Deshalb war das Atom-Abkommen mit dem Iran von so entscheidender Bedeutung und ein Erfolg. In einer Region, in der ein Streichholz genügt, um einen Flächenbrand auszulösen, sind es Gespräche und Verhandlungen, die Fortschritt ermöglichen, nicht Drohungen und Gewalt. Davon hat der Nahe Osten bereits ohne einen Krieg gegen den Iran oder durch den Iran mehr als genug. Wir stehen deshalb vor einem Scherbenhaufen. Nein, der Iran darf keine Atomwaffen haben. Das ist völlig klar. Es gibt am reaktionären iranischen Mullah-Regime nichts zu beschönigen. Aber wir dürfen deshalb doch nicht in einen Krieg mit dem Iran hineingeraten. Diese Gefahr besteht mit der einseitigen Aufkündigung des Atomdeals durch die USA. Annegret Kramp-Karrenbauer, mit großer Unglaubwürdigkeit ins Amt gekommen, steht bislang für zwei Forderungen: Die Aufrüstung der Bundeswehr durch die Erfüllung des irrwitzigen Zwei-Prozent-Ziels der NATO, und die Aussage, eine deutsche Beteiligung an einer Militärmission in der Straße von Hormus dürfe "nicht reflexhaft" abgelehnt werden. Keine Überraschung. Nach 18 Jahren Einsatz in Afghanistan erwartet kaum jemand eine "reflexhafte" Absage an Auslandseinsätze der Bundeswehr, die viel destabilisieren, aber wenig stabilisieren.
weiterlesen "Gesprächsmission statt Marinemission"